Texts

Handlungsoptionen bei unbestimmten Bedingungen

Uncertainty has become the psychological reality of our time with the lack of any knowable ‘Future’ in the face of ecological and climatic collapse against a backdrop of political uncertainty. This exhibition brings together three artists with diverse approaches in concept and materials to their work. However they share an attitude towards process, prioritising improvisation as a ‘syntactical’ act of representation itself.

Krause’s paintings evolve through “écriture automatique” working spontaneously with movement through hand and body. Using abbreviations and codes with growing, mutating lines. Working through drawing to painting to cutting. At the same time a re ective process pausing, erasing and painting over.

In Ponn’s work a language evolves through both material alchemy and intention. She talks about ‘the moment before the idea, before the thought – a state not dissimil- ar to remembering: not linear, scattering, constantly changing, accessing old memories, reacting to the unexpected. The pen sets in, begins, seeks.

In Lewis’s work Tischdecken or images are scavenged from ea markets, painted, sewn, adorned with studs. Then made into digital prints on paper and worked on again. It is in this language of layering and recycling that meaning resides.

These approaches privilege impulse, material and improvisation with no knowable outcome.
There are some parallels in attitude to many grassroots movements emerging now – namely climate change movements that share the notion of ‘Active Hope” (Macy). Acting without knowing if you will succeed. The impulse itself to ‘act’ is privileged rather than evaluating and proceeding when success is guaranteed. The guiding impetus in these movements is the investment of ‘active hope’ as a guide to their intentions. A process of improvisation, expression and reaction.

Sally Lewis


 


I knew it already but I had forgotten

Eine Hand – kurz davor, den Stift auf das Papier zu setzen. Der Moment vor der Idee, vor dem Gedanken – ein Zustand, dem Erinnern nicht unähnlich: nicht linear, streuend, ständig in Veränderung, auf alte Speicher zugreifend, auf Unvermitteltes reagierend.

Der Stift setzt an, beginnt, sucht – etwas verdichtet sich, etwas löst sich auf, die Linie bricht aus, es könnte sich etwas Konkretes abzeichnen, einen Augenblick später ist der Ansatz einer Formulierung schon überschrieben.

Dieser ambivalente Zustand der Suche nach einer undefinierten und geisterhaft Anwesenheit/Abwesenheit gleicht einem dünnen Netz an losen Versprechen. Dabei greifen die Zeichnungen weiter als das durch den Rand des Papiers verfügte Format. Zeichnungen sind Skulpturen ähnlich, die sich in unterschiedlicher Reichweite im Raum abzeichnen.
Text: Ursula Ponn


 

Zeichnungen, die sich selbst zeichnen.

Ursula Ponn zeigt Monotypien und Tusche-Tauchbilder. Beide Techniken verbindet, trotz Unterschiedlichkeit der Prozesse, das sich die Sichtbarwerdung des Ausdrucks der Künstlerin außerhalb ihrer Kontrolle befindet und zu einem großen Teil dem Material überlassen bleibt.

Bei der Serie von kleineren Bildern handelt es sich um Monotypien, also Arbeiten die entstehen indem die Künstlerin die Rückseite eines beschichteten Blattes bearbeitet und dabei Teile einer Farbschicht auf das eigentliche Werk überträgt. Die Zeichnung entsteht im Verborgenen und offenbart sich dem Auge erst nach vollendetem Prozess.

Noch weiter treibt die Künstlerin dieses Prinzip bei ihren großformatigen Tauchbildern. Auch hier wird die rückseitige Oberfläche des Papiers ohne Einsatz von Farbe oder Pigment bearbeitet, eingeritzt, zerkratzt, abgerieben. Dann wird das Papier großflächig in Tinte getaucht. Der Vorgang ist konzentriert, kurz und schmerzlos, und liefert den Ausdruck der Künstlerin ohne Rücksicht auf Verluste fast völlig dem Zufall aus. Erst durch das Eintauchen des Bildes zeichnet sich die vorher nur weiß in weiß sichtbare Spur durch die durchdringende Tintenflüssigkeit ab. Offene Ritzen und Kerben lassen mancherorts das rückseitige Flüssige durchbluten und ablaufen. Geisterhaft und doch präsent werden rückseitige Flecken sichtbar. Sie haben etwas körperhaftes, passives. Eine Zeichnung, die sich selbst gezeichnet hat.

Beiden Arbeiten ist gemeinsam, dass sie nicht in erster Linie durch Auftrag von Farbe auf Papier sondern durch Manipulation des Untergrundes selbst entstehen. Ursula Ponn gelingt es dabei, den Untergrund und seine Materialität in den Schaffensprozess mit einzubeziehen und das Papier als aktives Material zu betrachten. Die Materialität tritt so mit einer visuellen und konzeptuellen Prägnanz in den Schaffensprozess ein, bei dem Zeichnung und Papier als gleichwertige Teilnehmer betrachtet werden.
Text: Studio Ponn